Mittwoch, 27. August 2014

25.8.2014 letzter Tag in Haiti für Andreas



Nur als Schlusspunkt aus Zeitvertreib, hat eigentlich nichts mehr mit dem Verein zu tun!
Allen Danke schön, die treu gelesen haben und mir so nett geschrieben haben!

25.08.14
Abflughalle Flughafen Toussaint-Louverture in Port-au-Prince. Noch knappe 2 Stunden bis zum Abflug - hoffentlich. Auf noch eine Nacht in NY kann ich gut verzichten. Eigentlich ein wunderschöner Tag: schwacher Wind, nicht mehr so drückend heiß wie in den vergangenen Tagen. Fast ohne Schweißentwicklung konnte man frühstücken, der frisch gepresste Fruchtsaft auf sonnen-, nicht schiffslagerraumgereiftem Obst wird mir fehlen. Und wahrscheinlich noch so manches andere.
Wir fahren zum BND, dort will sich Roswitha noch vor meinem Abflug mit dem Direktor von Belanger treffen, morgen früh dann mit Pastor Nérilus, da sich beide nicht riechen können. Das kennt man ja von überall. Auf dem Weg zum BND fällt mir auf, dass ich mein Handy vergessen habe. Ich war in Roswithas Zimmer, um Telefonnummern auszutauschen, ging danach ins Bad. Da habe ich es dann hingelegt, denn zum Zähneputzen brauche ich es nun wirklich nicht. Jetzt wird’s kompliziert: Bei der Toilette muss man zum Spülen unter den Spülkasten greifen, um das Wasser anzustellen, da der Spülkasten selbst nicht mehr dicht ist. Bei dieser Verrenkung war ich die letzten Tage schon mehrfach mit der Schulter gegen ein Regal-Glasbrett gestoßen, ohne dass etwas passierte – ich hatte auch schon sicherheitshalber alle Nippessachen, die dort überflüssigerweise verstaubten, eine Etage höher geräumt, damit ich keinen Schaden anrichte. Dieses Mal aber war es gleich die ganze Scheibe, die ich auf den Boden beförderte. Es wäre vielleicht auch noch nichts passiert, weil dort ein Badteppich liegt, wenn sie nicht auf dem Weg nach unten (hat nicht Isaac Newton die Schwerkraft erfunden?) auf das Bidet aufgeschlagen wäre. Tausende kleinster Scherben, alle mit Roswithas Tagescreme vermischt. Und ich hatte nur etwas Toilettenpapier zur Verfügung. Den Bediensteten wollte ich auch nichts sagen, die hätten natürlich alles sauber gemacht, aber ich kann mich noch nicht daran gewöhnen, dass jemand hinter mir her wischt. Der Schwiegertochter des Hauses, die ich natürlich sofort informierte (im Vertrauen, der Lärm war wohl auch zu groß!), war das alles ziemlich egal, als ich was von Assurance sagte, lachte sie nur auf. Ich gehe nicht davon aus, dass dafür schlechte Erfahrungen mit Versicherungen der Auslöser waren. Tja – dass da das Handy Nebensache war, ist wohl nachvollziehbar!
Mit einem freundlichen Mitarbeiter des BND als Pfadfinder fuhr ich also erneut zurück, denn Roswitha wollte natürlich auf den Direktor warten. So kam ich wenigstens noch einmal in den Genuss des Autofahrens in diesem sagenhaften Verkehr. Der Beifahrer sagte dauernd etwas wie „paix“ und „lent“ , aber ich gehe davon aus, dass er die anderen Verkehrsteilnehmer meinte. Der Verkehr wird mir wirklich fehlen, bei uns erwarten mich wieder
Staus, bei denen sich alle, dem Schicksal ergeben, in Lethargie verharren. Vielleicht könnte man die Situation in PaP als „aktive Staubewältigung“ bezeichnen. Zurück beim BND wartete Roswitha noch immer auf den Direktor, sie hatte ihr Millimeterpapier vor sich und zeichnete unsere geplanten Hüttchen in dem ungewohnten Maßstab 1:30. Die ganze Nacht hatte sie schon gezeichnet, und immer mehr Probleme schienen sich zu ergeben, die wir eigentlich schon besprochen und gelöst hatten. Persönlich denke ich, dass wir auch nicht jeden Nagel bedenken müssen, auch wenn wir mit unseren Ingenieuren tatsächlich jeden Handschlag besprechen müssen.
Erst gestern hatten wir große Probleme ihnen zu erläutern, wie man die Abstrebungen unserer Zaunpfähle mit einfachen Rohrschellen befestigen kann, ohne zwei runde Rohre aneinander schweißen zu müssen – was ohnehin nicht halten würde. Aber was tun, wenn der Gesprächspartner weder etwas mit dem deutschen Wort „Rohrschelle“ anfangen kann (ich muss damals im Englischunterricht gefehlt haben, als wir das Thema Rohrschellen hatten. Ja, ja, von wegen „für das Leben lernen wir...“), noch mit Roswithas wortreichen Erklärungen? Gut, dass es das Internet gibt, da gibt es tatsächlich Abbildungen für jeden Schwachsinn. Und eine Problemlösung scheint auch glaubwürdiger, wenn es eine Abbildung bei google gibt!
Der Weg zum Flughafen (wir mussten noch kurz umkehren, weil der Direktor direkt nach uns hintenherum das Gelände des BND betreten hatte) wurde wieder einmal zur Geduldsprobe, auf der stark befahrenen Straße zum Flughafen hatte sich der Auflieger eines LKW beim Rangieren festgefahren, er stand nun quer und blockierte 2 von 3 Spuren. Ganze 30 Minuten hat uns der Stau gekostet, und meine Erfahrungen in PaP ließen mich das Schlimmste befürchten. …
Take off. Die Start- und Landebahnen des Flughafens kann man ganz gut mit den Straßen in PaP vergleichen. Nicht, dass es hier Staus geben würde wie in New York, Amsterdam oder Frankfurt, hier fährt das Flugzeug zur Startbahn, beschleunigt und hebt ab. In New York mussten wir ja wirklich lange warten, bis wir endlich an der Reihe waren. Es ist eher der Zustand der Landebahnen, der einen Vergleich aufdrängt. Viel hat sich gleich nach dem Erdbeben getan, alle Bahnen wurden grundsaniert. Aber das ist halt auch schon 4 Jahre her, und obwohl das Straßenbauamt hier nicht den Begriff des Frostschadens zu Entschuldigung bereit hält, sind die Schäden doch nicht zu übersehen. Oder besser überhören. Überspüren? Es kommt ja auch nicht von ungefähr, dass eine stattliche Anzahl von Landungen nicht ohne Fahrwerksschäden von sich geht. Und das bedeutet fast immer das Verpassen eines Anschlussflugs und die Nacht im Hotel auf Kosten der Fluggesellschaft. Kein Wunder, dass man die Fluggesellschaften, die PaP anfliegen, mit Hilfe der Finger einer Hand abzählen kann. Aber heute lief alles gut und ich habe Hoffnung auf einen perfekten Anschluss. Auf eine gesunde Rückkehr lässt sich ja auf Grund der Bordverpflegung kaum hoffen!

Guten Morgen, Amsterdam! In einer guten Stunde haben wir europäischen Boden unter den Füßen. Ich habe gerade einen „frischen Orangensaft aus Orangensaftkonzentrat“ getrunken. Was für ein Abstieg, die letzten Tage hatten wir frisch gepressten Saft quasi direkt vom Baum!
Die Amerikaner sind ja schon fast paranoid, was ihre Einreise- oder in meinem Fall Durchreisebestimmungen angeht. Gut, auf dem Hinweg war ich eine Nacht da und dann verstehe ich schon, dass sie wissen wollen, wer da genau bei Burger-King, Jamaika-Avenue gegessen hat. Ich hätte ja auch einen Fleck auf den Tisch machen können. Und so haben sie – trotz Esta – mein Gesicht fotografiert, meinen Reisepass fotokopiert, meine Fingerabdrücke genommen und von mir das Ausfüllen der berühmten Greencard gefordert. Von den Durchsuchungen meines Gepäcks ganz abgesehen. Aber auf der Rückfahrt, bei der ich den Flughafen schon aus Zeitmangel (und wegen der Größe des Flughafenareals) gar nicht verlassen konnte, hat man („Second time Esta?“) mich an einen Automaten gestellt, der sogar Deutsch konnte, welcher wiederum von mir ein Foto machte, um es mit dem vormals gespeicherten abzugleichen, die Fingerabdrücke genommen, um sie abzugleichen, und das Antippen von Ja-Nein-Fragen verlangt, die in die Richtung „Haben Sie Waffen dabei? Haben Sie vor, in den USA kriminelle Taten oder terroristische Anschläge zu verüben? Planen Sie, in den USA Drogen zu verkaufen?“ gingen. Das ist nicht übertrieben und auch nicht etwa lustig gemeint! Auch nicht von mir!
Das Härteste dabei: (ich habe es wirklich mehrmals lesen müssen – leider war in diesem Bereich das Fotografieren verboten) über den Fragen stand die Anweisung: „Antworten Sie jedes Mal mit 'ja'“. Na, ein Glück, da musste ich ja nicht einmal nachdenken! Es gibt Geschichten, die schreibt nur das Leben!
Danach bekam ich einen „vorläufigen Einreisepass“ (deutsche Bezeichnung auf dem Bildschirm), der meinem endgültigen Reisepass ziemlich ähnlich sah. Den gab ich einem Mann an einem Schalter, der ein Foto von mir machte und mit den beiden bereits vorliegenden verglich, die Fingerabdrücke nahm, mit den beiden – Entschuldigung - mit den zwanzig vorliegenden verglich und mich fragte: „How long?“ Ich hoffte, er meinte nur meine Verweildauer, fragte aber sicherheitshalber in einem vollständigen Satz nach, ob er meine, wie lange ich vorhätte, sein Land mit meiner Anwesenheit zu beglücken. So etwa. Und auf sein genervtes, von der Bewegungsweite dem Flügelschlag eines Schmetterlings nicht unähnliches Nicken hin antwortete ich: „Five houres and twelve Minutes – I hope!“. Dann musste ich tatsächlich zum Band, um mein Gepäck abzuholen. Eigentlich erwartete ich es nicht, denn man hatte mir im Reisebüro gesagt, dass es durchgecheckt würde, aber an dem Band selber hatte ich ja schon auf der Hinfahrt gelesen, dass auch Passagiere von „connecting-“Flügen ihr Gepäck abholen und vor dem Weiterflug kontrollieren lassen müssten.
Diese Kontrolle sah dann so aus, dass ein blasierter Zollbeamter meinen Pass ansah, den mittlerweile (nicht von mir!) durchgestrichenen „voeläufugen Einreisepass“ einbehielt und nickte. Wie schon sein Kollege. Da das Nicken des vorherigen Kollegen als „du darfst dich jetzt entfernen“ zu deuten war, denn er ließ von mir ab wie ein satter Löwe von einem Antilopenkadaver, entfernte ich mich auch hier und dachte noch: Was für hervorragende personeltrainer müssen die hier haben und wie lange wird die Schulung alleine einer solchen Geste dauern? Ich war schon fast am Ausgang angelangt und machte mir Gedanken darüber, wie in solch einem Fall die Abschlussprüfung durchzuführen sei, als er mich mit einem scharfen Laut zurückholte und mir die fast erreichte Ausgangstür wies: „This way!“. Da mir in diesem Moment die unglaubliche und vor allen Dingen ungewollte Komik deutlich wurde und sich das vierzehntägige Sprechen mit den haitianischen Freunden Bahn brach, antwortete ich ihm polyglott: „I know, I was déja there!“ Das ließ ihn verstummen. Wahrscheinlich kann er kein Französisch. Direkt hinter dem Ausgang, also Luftlinie keine zehn Meter entfernt, ist ein Extraschalter der Fluggesellschaft, an dem Durchreisende das Gepäck direkt wieder abgeben können. Wenigstens musste ich nicht lange damit herum laufen. Und jetzt hat mich und meine müden, vom ständigen, eingequetschten Sitzen schmerzenden Beine die europäische Lebensart wieder. Das wird ja langweilig!
Andreas
PS: das mit dem Flughafen- WiFi hat doch nicht geklappt. Aber jetzt bin ich zu Hause!

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