Mittwoch, 4. März 2015

Haiti März 2015


Am Sonntag sortierten und kontrollierten wir, suchten entsprechende Koffer und Taschen um möglichst viel der gespendeten Spielsachen mit zu bekommen. Die Fluglinie unterstütze uns dieses Mal wieder indem wir jeweils ein zusätzliches Freigepäck einzuchecken durften. Am Ende waren alle Koffer und Kisten voll, die Waage zum kontrollieren kaputt, und wir in der Ungewissheit ob wohl alles seine Richtigkeit beim Gewicht hat. 
Am Montagmorgen fuhr uns Richard zum Flughafen, wir brachten unsere Massen von Gepäck zum Schalter. Der Angestellte der Fluglinie teilte uns schon gleich mit, dass wegen Schneesturm in New York der Abflug auf jeden Fall zwei Stunden später erfolgen würde. Zu unserem Gepäck meinte er nur, wenn man schon Freigepäck bekäme, sollte man wenigstens die Gewichtgrenze beachten. Wir drückten uns dann Stunden am Flughafen rum und warteten auf unseren Flug. Endlich mit über zwei Stunden Verspätung ging es in die Luft. Bei 5 Grad minus in New York nach acht Stunden Flug wieder runter. Der Weiterflug nach einer kurzen Nacht in einem anonymen Hotel in Flughafennähe war angenehm und wegen extremem Rückenwind eine Stunde kürzer als gewohnt. Unsere Gepäckstücke waren so gut mit Kabelbindern verschlossen, dass der haitianische Zollbeamte
ca. 150 kg Gepäck
kapitulierte und uns nach Durchleuchten der Koffer durchwinkte. Aus dem Flughafengebäude raus und eine Temperaturdifferenz von ca. 40 °C gegenüber dem Abflug in New York warf uns fast um. Der freundliche Fahrer von BND erwartete uns schon mit Rob Padbergs Auto und brachte uns zu unserem Auto. Das Verstauen der Gepäckstücke stellte sich als recht schwierig heraus. Aber selbst die Einkäufe brachten wir dann noch unter und können nun hier oben am Montagne Noire bei unseren Gastgebern Fam. von Boetticher unser wohlverdientes Bier trinken, bevor wir in ein paar Minuten ins Bett fallen werden. Für Donnerstag und Samstag sind Manifestationen gegen Martelly und für eine Senkung der Benzinpreise angesagt, ab Montag soll es im ganzen Land Streiks geben. Wir werden morgen so viel als möglich erledigen, Bankgeschäfte, Solarfirma, Rechtsanwalt um am Donnerstag möglichst nicht ganz in die Stadt hinunter zu müssen. Am Freitag fahren wir zum Plateau Central und hoffen, dass es dort politisch ruhiger sein wird. Mein Eindruck nach einem guten Jahr: Straßen wurden gebaut, andere, ehemals gut ausgebaute Straßen verdienen den Namen „Straße“ nicht mehr. Die Menschen werden immer mehr, die Autos werden immer mehr, die Müllberge abseits der Hauptverkehrsadern sind wie eh und je groß und stinkend Futterstellen für streunende Schweine, Ziegen und Hunde. Die an jeder Kreuzung oder Ampel wartenden Fensterputzer werden immer jünger und ihre Anzahl steigt stetig. Jeder scheint bemüht ein paar Gourdes zu verdienen um einen Teil zum Familieneinkommen beizutragen. Ich glaube, dass das Land immer mehr verarmt und kann hier in der Hauptstadt kaum Besserung erkennen. Derweil sind die Preise im gut besuchten Supermarkt in Petionville auf deutschem Niveau und höher. Ein Liter H-Milch kostet ca 2,40 Euro. Milch, Kaffee, Wasser, ein wenig Obst, ein Päckchen Spaghetti, je eine kleine Flasche Öl und Essig, ein paar Rollen Klopapier und vier Bier kostete uns über 60 USD. Dieser Unterschied, auf der einen Seite die Ärmsten mit weniger als 1 USD am Tag und auf der anderen Seite, die, die keine Probleme haben obige Preise zu bezahlen.

Ich möchte einfach nur weg hier aus der Hauptstadt und  freue mich auf die Reise zum Plateau Central, wo es weniger erbärmlich ist. Die Menschen zwar noch ärmer aber ein wenig mehr im Einklang mit der Natur sind.
Cornelia Rébert-Graumann

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