Sonntag, 20. Februar 2011

schulmauer fertig


Liebe FreundInnen Haitis,

von Hubert Heubuch, der ja eigentlich für das ti-solèy-Projekt vor Ort war, haben wir auch einen Zwischenbericht über die Baumaßnahmen an der Jean-Bosco-Schule in Cité Soleil erhalten. Dort hatte die Haiti-Kinderhilfe zunächst den Mauerbau rund um das Schulgebäude finanziert, damit die dort unterrichtenden Schwestern, die Kinder und die Schulausstattung nicht länger durch Einbrüche gefährdet sind. Seit dem Beben waren zahlreiche Diebe nachts über die provisorischen Wellblechzäune gestiegen und hatten nach und nach fast das gesamte Werkzeug aus der Berufsschule entwendet.

Hubert hatte sich den Architekten des von der Haiti-Kinderhilfe gebauten Krankenhauses Notre Dame de Lourdes, Roger Laplanche, als Gutachter zur Verstärkung mitgenommen. Immerhin hatte die Klinik ja den Erdstößen Stand gehalten, während das restliche Viertel fast komplett in Trümmer gelegt worden war. Der Bauingenieur des Projekts führte die beiden über die Baustelle und überzeugte sie durch seine umsichtige Planung, die solide Bauausführung und allgemeine Kompetenz. Die Mauer sei fertig und mit ausreichend Armierungen und Dehnfugen sehr ordentlich ausgeführt, urteilten Hubert und Roger. Die Arbeiter seien gerade dabei gewesen, ganz oben den Stacheldraht zu montieren. Es sei geplant, die Baumaßnahme binnen einer Woche komplett abzuschließen.


Wie im Rundbrief # 33 schon angekündigt, sind aber weitere Baumaßnahmen an der Schule nötig. Im nächsten Schritt sollen zwei Außentreppen erneuert werden, die beim Erdbeben beschädigt worden waren. Sie müssen mit je zwei Stützpfeilern verstärkt und vom Gebäude über eine Dehnfuge abgetrennt werden, damit sie bei einem möglichen weiteren Erdbeben standsicher sind, wie Hubert weiter schrieb. Was das problematische Blechdach, auf dem eine gut zehn Zentimeter dicke Betonschicht aufgebracht worden war, anbelangt, so habe eine tiefergehende statische Prüfung ergeben, dass die Gebäude selbst erhalten werden könnten, wenn nur das viel zu schwere Dach abgetragen wird. Ob eventuell sogar die Unterkonstruktion aus Metall erhalten bleiben könne, sei zwar noch unklar, aber der befürchtete komplette Neubau aller Schulgebäude sei de facto vom Tisch.


Um den gesamten Komplex seiner Nutzung entsprechend auszubauen, sei es auch nötig, die Toilettensituation zu verbessern. Dafür müssten zum einen die bestehenden Latrinen saniert und neue hinzugefügt werden. Das eingeschossige Mittelgebäude der Schule sollte ferner von den beiden großen Anbauten durch eine Erdbebenfuge entkoppelt und um eine weitere Etage aufgestockt werden. Dafür solle offenbar eine Stahlunterkonstruktion angebracht werden, die das Gewicht abfängt und so den zweiten Stock ermöglicht. Auch Architekt Roger Laplanche habe die Planungen gut geheißen. Der Ingenieur verstehe sein Handwerk und wisse, was er tue, habe Roger erklärt, schrieb Hubert. Die Nonnen hätten ergänzt, dass der Baumeister "ein guter Junge" sei und die Kosten im Griff habe.


Die Schwestern hatten zuvor bereits geschrieben, dass sie mit ihrem ersten Bauunternehmer unzufrieden waren und einen neuen Handwerker mit dem Mauerbau beauftragt haben, der nun aber zu ihrer vollsten Zufriedenheit arbeite. Erstaunlicherweise sei er außerdem billiger als der erste. Zugleich bedauerten sie, dass eine Gesundheitsstation, die bisher außen an die Mauer der Schule angebaut war, durch die Maßnahme abgerissen werden musste. Von deren Dach seien immer wieder Diebe über die Mauer auf das Schulgelände eingedrungen, so dass der Schritt unumgänglich gewesen sei. Vom übrig gebliebenen Geld für die Mauer wolle man nun diese Ambulanz wieder so aufbauen, dass sie von Patienten besucht, nicht aber von Einbrechern genutzt werden könne. Der Haiti-Kinderhilfe-Vorstand hat in der Sache noch nicht entschieden, aber grundsätzlich gibt es ja bereits den Beschluss, die Schule in Cité Soleil längerfristig zu unterstützen. Sobald von Hubert die Abrechnungsbelege übermittelt werden, steht dann einem positiven Votum des Vorstands wohl nichts mehr im Weg.

Nach Huberts Besuch dankten die Schwestern erneut für die Unterstützung. Mit Hubert habe die Haiti-Kinderhilfe einen sehr freundlichen Gesandten geschickt, mit dem man sich hervorragend austauschen könne (sehen wir auch so!). Seine ti-solèy-Lampen seien außerdem eine schöne Sache. Auch die 600 Kinder an ihrer Schule könnten sehr davon profitieren. Kämen sie doch alle aus Cité Soleil, wo nur wenige Hütten illegal ans Stromnetz angeschlossen seien und abends so gut wie die Strom hätten. "Es wäre doch schön, wenn in Cité Soleil tagsüber die Sonne und abends die ti solèy, die kleine Sonne, scheint", hieß es in der Mail der Schwestern abschließend. "Wir zählen schwer auf Euch."

Abnehmer für die tollen Lampen finden sich also genug. Das Firmenkonzept gedeiht auch. Jetzt müssen wir "nur" noch genügend Spenden auftreiben, um so viele Sonnen wie möglich ins System zu bringen...
 
Liebe Grüße,
heike

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