Dienstag, 8. September 2015

Bericht aus Haiti - Samstag Teil 3


weitere Fortsetzung von Roswithas Bericht vom Samstag:
Farah bei der Elternsprechstunde
Am Mittwoch kommt ein Mann und erklärt Farah, dass sein Kind den Platz eines anderen Kindes übernehmen wird. Das eingeschriebene Kind seiner Nachbarin wird nicht kommen. Guerino hatte zwar alle Kinder auf einer Liste erfasst, aber die Formulare je Kind noch nicht ausgefüllt, die ganze 'Verwaltung' ist noch nicht angelegt.
Die Namen auf der Geburtsurkunde sind teilweise anders. Es sind Kinder als 3jährige eingeschrieben, aber anscheinend schon älter usw. Es müssen nochmals alle Eltern kommen und nun mit Farah das Formular mit allen Infos ausfüllen, damit die Geburtsurkunde und die Impfunterlagen gleich sind. Am Donnerstag kommt lediglich die Mutter, die den Platz aufgibt und der Nachbar, der nun sein Kind unterbringen will. Alle anderen Eltern sind heute auf dem Markt. Das Argument der Mutter ist, dass sie keine 100 Gourdes für die Schuhe und keine 250 Gourdes für den Schneider für die Uniform hat. Es ist ein Betrag von 7 Euro. Von ihren sieben anderen Kinder war noch nie eines in der Schule, dieses jüngste Kinde wäre das erste. Guerino und Farah diskutieren und entscheiden, dass wir der Mutter anbieten, sie könnte zweiTage im Monat bei uns arbeiten und würde dann den Betrag in bar bekommen, damit sie alles kaufen, bzw. bezahlen kann. Sie lehnt den Vorschlag ab, sie hätte genügend Arbeit auf ihrem Erdnussfeld. Es scheint, dass sie den Platz einfach an den Nachbarn verkaufen will. Wir sind geschockt. Der Nachbar kommt ganz hinten auf die Warteliste. Wir entscheiden, dass wir allen Eltern mit dem gleichen Vorschlag helfen wollen, damit ja die Kinder die Chance auf den Schulbesuch haben und es nicht an einem Paar Plastiksandalen scheitert. Am Freitag sind fast alle Eltern da. Farah erklärt nochmals das Prinzip der Schule, die Lehrer werden vorgestellt, die Formulare ausgefüllt. Farah bietet die Hilfe Bargeld für Schneider und Schuhe an. Sie erklärt es vor allen Eltern, anstelle je nach Bedarf,  und alle Eltern stellen sofort den Kreditantrag......Guerino muss also zum Stress der Baustelle auch noch Arbeiten für die  Eltern finden, ebenso müssen wir eine Kasse mit Bargeld haben. Die Aktion soll nächste Woche starten.
Es gibt eine lange Liste mit Baumaterial was fehlt. Farbe die nicht ausreichte, Schrauben, Nägel, Eisen fürs Dach, Bleche, Draht, Bücher bestellen, Stoff Uniform Lehrer.....eine Liste von 3 Seiten. Guerino, Farah und ich fahren also freitagabends nach Port au Prince. Am Samstag sind aber die Geschäfte nur bis 12 Uhr auf. Alle Geschäfte sind in verschiedenen Stadtteilen, schon auf der Bank verliert man einen halben Tag, ebenso wird in der Druckerei der Schulbücher immer noch Chaos sein. Wir telefonieren mit unseren Studenten in PaP. Am Samstag ist zwar Treffen mit den Patenkinder, sie bekommen dann ihren Scheck für das kommende Schuljahr und müssen Ihre Unterlagen vom vorigen Schuljahr bringen. Rachelle und Laumenaire werden abwechselnd in der Bank in der Schlange stehen und uns das Geld in kleineren Scheinen für Projekt 'Kredit der Eltern besorgen', Guinter muss sich in der Druckerei mit den Listen der zwei Nachbar-Schulen, sowie noch mit
unserer Bestellung rumschlagen.
Diskutieren auf der Rückfahrt nach PaP über die momentane Wohnsituation in Banguage. Farah benötigt eine Unterkunft, bis Ihr Zimmer auf dem Gelände fertig gestellt ist. Wird wohl erst Weihnachten sein. Sie konnte in den letzten Tagen bei Guerino und Guivens wohnen. Deren Mietvertrag läuft Ende September aus, sie suchen was größeres, finden nichts, oder extrem teuer, da sie ja die "Ingenieure von Port au Prince" sind. Guerino und Guivens haben zwei Zimmer angemietet. Eines ist wohl Küche und eines zum Schlafen. Wir besprechen alle
Alternativen. Es wird entschieden, sobald das Team Installation der Solaranlagen Ende September die Baustelle verlässt, ziehen sie alle ins Container Depot. Es wird dann dort Strom geben, wir haben Wasser und eine
Toilette. Ein Kindergarten Pavillon ist ja noch nicht besetzt. Es wird dort ein Tisch organisiert, wird der Platz zum Essen und Schreibtisch sein. Der Container 'Zement-lager' wird Ende September fast leer sein, nachdem die Zwischendecke gegossen ist. Dieser Contaier wird geputzt, innen weiß gestrichen und Farah wird ihn als ihr Zimmer bekommen. Matratze ist schon da, alles andere wird improvisiert. An den drei Seiten mit dem Gitter zwischen den Containern, werden mit Plastikplanen 'Rollos' gebastelt, die man im Falle von Regen einfach runterlässt. Die Regenzeit wird Ende September beginnen. Guerino und Guivens werden ab dann auch im Depot wohnen. Als ich nachfragte, wie denn eigentlich die jetzige Wohnsituation ist, war ich richtig geschockt:
Guivens hat eine Matratze, und teilt sie meist mit Guerino, aber nicht immer. Ein Mitarbeitervon Guivens hat eine kleine Matratze die nun einfach Farah besetzt hat. Es schlafen im gleichen Raum direkt auf dem Boden noch der Fahrer, der Maler aus PaP, Jonas aus dem Patenschaftsprogramm, sowie der Bruder von Guivens, der gerade ein Praktikum auf der Baustelle macht. Also insgesamt in dem kleinen Schlafzimmer 6 Männer und Farah. Farah erzählt, dass aber Bedingung ist, dass sich jeder am Abend wäscht. Dann geht es irgendwie, Füße und Beine kreuz und quer. Aber es sei unerträglich heiß, es ist ein Betonhaus, das nie abkühlt. Ich werde versuchen in Hinche Matratzen für alle zu kaufen.

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