Sonntag, 20. September 2015

Bericht aus Haiti Teil 5

Hallo,
beim Scheiben, habe ich das Gefühl, dass alles schon Wochen zurückliegt, aber hier ist jede Tag so intensiv. Jeder für sich selbst ist eigentlich eine Geschichte.
Am Montag erster Weg zur Bank, nicht dass wer unsere Konten plündert. Wir sind 3 Teams. Guivens bekommt von BND Geld und kauft noch das fehlende Blech für das Dach des letzten Pavillions. Fehler von BND, dass sie ihm einen Scheck für mich geben, den er aber sofort auf sein Konto einzahlt, ich nur 20 % davon von ihm bekomme, alles andere würde er für Material benötigen. Guerino hat den schwereren Teil. Er steht schon um 7 Uhr vor dem Baumarkt, wo wir am Samstag das meiste gekauft haben. Erklärt dass der Scheck gesperrt wird, ja nicht gegen Vorlage der Quittungen das Material ausgegeben werden darf. Alle Quittungen der Käufe sind auch gestohlen worden. Er lässt sich die Bankverbindungen geben und wir werden versuchen die ausgestellten Schecks direkt auf die Konten der Geschäfte einzuzahlen. Hört sich eigentlich sehr einfach an, aber nicht in Haiti. Aber Guerino schafft alles zu blocken.
Rachelle und ich sind ab 8 Uhr 30 auf unserer Bank. Ich hatte einen Brief an die Direktion geschrieben und wir wurden sofort bedient.
Allerdings haben wir 3 Konten......die müssten nun geprüft werden, die verschiedenen Schecks in bar noch abgehoben werden und dann in Bar auf die Konten der Geschäfte einbezahlt werden. Die Konten wurden dann gesperrt und es wurden 3 neue Konten angelegt. Laumenaire, der ja auch unterschreibt, musste kommen.
Mein Auto war ja wieder vollbeladen mit Farben, die ich am Samstag gekauft hatte und noch anderem. Gott sei Dank traf Rachelle zufällig ein Patenkind und wir baten ihn doch den ganzen Tag auf der Ladefläche gegen Bezahlung mitzufahren. Wir unterschrieben 1000 Formulare und Karten und man versprach uns schnell neue Scheckhefte für die nun neuen Konten zu bestellen.
Rachelle hatte in den letzten Tagen 60 Schecks für das Schulgeld ausgestellt. Es war uns aber unmöglich diese ganzen Schulen mit Telefonno ausfindig zu machen. Die Schecks werden alle 'platzen' da es ja nun das Konto nicht mehr gibt. Rachelle wird einen Entschuldigungsbrief schreiben und alle Patenkinder anrufen.
Wir verließen nach über 5 Stunden die Bank......allerdings ohne einen Cent, denn ich wollte nichts abheben, da ja immer mindestens 50 in der Schlange stehen und alles sehen.
Nun noch zum Kommissariat. Das ist ein Ort einfach des Grauen. Man kommt zum 'Empfang' und es schlägt einem eine Welle von Urin entgegen und ich dachte ich müsste mich übergeben. Direkt rechts neben dem Eingang sind die Zellen und die Männen standen in den Zellen und starrten uns an. Links nach nochmals 3 weiteren Türen kamen wir zum Kommissar. Ein Raum mit 3 Männer und einer Frau alle in Zivil. Ich erzählte meine Geschichte und dass ich eine Deklaration machen möchte. Die Frau, ich dachte eigentlich sie sei auch 'Opfer' nahm einen Vordruck und füllte ihn aus. Rachelle wurde aufgefordert dann in einem anderem Raum das schon zerfetzte dicke Buch zu holen, wo wohl alle Vorgänge eingetragen werden.
Im Nebenraum wurde gestritten und geschrien - furchterregend. Als endlich das Formular ausgefüllt war, mussten wir im Viertel eine Copyshop suchen, da es kein Kopiergerät dort gibt. Eigentlich gab es dort gar nichts - außer Angst. Man bietet mir an, dass gegen 'beschleunigte Bearbeitungsgebühr von umgerechnet ca 30 €, ich schnell meinen haitianischen Führerschein bekommen würde. Warten nochmals und fragen um Erlaubnis, ob wir uns nicht wo einen Sandwich kaufen könnten, da Rachelle und ich, den ganzen Tag nichts getrunken und gegessen haben. Dürfen gehen. Werden dann im Geschäft angerufen, dass es doch einige Tage dauern wird und wir nicht weiter warten sollen.

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