Mittwoch, 20. März 2013

Montag 18.3.



Zwischenzeitlich waren wir gut beschäftigt. Alle Patenschaftsunterlagen mussten am Sonntag überarbeitet und abgeglichen werden. Die Bearbeiter selbst auf ihre Aufgaben aufmerksam gemacht werden und ihnen unbekannte Methoden vermittelt werden, damit die Informationen für uns in Deutschland nachvollziehbar werden. Benson unterzog sich einer Ausbildung als „Patenschaftsfotograf“. Sonntagmittag fuhren dann André, Benson und Guinther wegen anstehender Examen zurück nach PaP. André wollte uns den Gefallen tun und unser Gepäck vom Flughafen holen (falls es da ist) und ins Wall’s bringen. Airfrance traue ich nämlich nicht mehr… Abends dann der erlösende Anruf: Das Gepäck ist da, es wurde auch kein chemischer Alarm ausgelöst – trotz des Harzer Käses für Roswithas Gastgeber, der nun ein wenig länger als geplant gelagert wurde! 
Montagmorgen um 07:00 sind wir bereits ausgecheckt und auf dem Weg nach San Marc. Diese Stadt empfängt uns deutlich sympathischer als wir das von PaP gewohnt sind. Noch sind in der Architektur Reste des alten Kolonialismus zu sehen; vor allem Banken, wie das ja überall auf der Welt ist, erheben sich modernistisch über diesem Stil und zerprotzen den beschaulichen Eindruck. Es ist nicht ruhiger, aber sauberer; die Leute sind nicht weniger hektisch, aber freundlicher. Sie winken uns, manche finden es offensichtlich sehr gewöhnungsbedürftig, dass ein weißer Mann auf der Ladefläche eines Pick-up sitzt und auch noch freundlich schaut. Zumindest versucht er es, denn die Straßen sind in einem hauptstadtähnlichen Charakter und die Ladefläche ist nicht gepolstert! Was mir gleich auffällt: die Straßen haben nicht nur Namen, sondern auch Schilder, auf denen dieser steht. Und so bemerke sogar ich auf der Ladefläche, dass unser erstes Ziel nicht mehr weit sein kann. Wir fahren auf der „Rue Florenceau“ und wollen zur gleichnamigen Schule!
Obwohl die Ferien erst nächste Woche anfangen sollen, sind nur noch Prüflinge in der Schule. Die können natürlich nicht gestört werden, so dass wir auf 14:00 vertröstet werden, Direktor Roger will bis dahin die Patenkinder zusammengetrommelt haben. Wir schauen uns das Schulgelände etwas genauer an. Im Anschluss an die Schule ist ein riesiges Fundament entstanden. Nach einiger Rätselei ist nur eine Lösung denkbar: Hier entsteht eine große Kirche. Zumindest kann dann die Cafeteria wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. Die Toiletten sind abgesperrt, riechen aber erstaunlicherweise nicht so, wie man es erwarten würde. Entweder sie werden überhaupt nicht aufgesperrt (was bei der Größe der Schule und dem Fehlen anderer zweckdienlicher Örtlichkeiten nicht denkbar ist), oder sie funktioniert einfach perfekt. Leider ist das in dem Moment für uns nicht zu klären.
Auf zum nächsten Termin: St. Trinité. Durch ein endloses Straßengewirr – ich bin sicher, einige Häuser dabei mehrfach gesehen zu haben – erreichen wir diese Schule, wo wir bereits von ihrem Besitzer, Manager und Direktor erwartet und aufs Herzlichste empfangen werden. Auch hier ist bereits Ferienzeit, doch ebenfalls Prüfung und etliche Schülerinnen und Schüler aus unserem Programm warten trotzdem schon. Rasch wird das Programm mit den Patenschaften durchgezogen: Die Schüler kommen einzeln in den ersten Stock (wo wir trotz der Hitze, die sich mittlerweile über der Stadt breitmacht, in luftiger und deshalb angenehmer Höhe auf sie warten) bekommen gesagt, was sie uns noch abgeben müssen und werden fotografiert. Erst mit den obligaten Lollies, Kräckern und Bonbons gelingt es uns, sie dabei zu einem kleinen Lächeln zu bewegen. Zweifelsfälle wurden mit einer Lehrerin abgeklärt, die sich offenbar ebenfalls mit der Leitung der Schule befasst; so gut, wie sie informiert war.
Nach der Abarbeitung der Patenschaften dieser Schule wurden die weiteren Ausbaumaßnahmen der Schule besprochen. Dass der Zustand, in dem die Schule sich derzeit präsentiert, nicht akzeptabel ist, wussten wir ja schon von früheren Besuchen. Die Zeit dazwischen hat den Bau nicht attraktiver gemacht. Das Haupthaus, in dem wir saßen, ist eigentlich kaum zu retten. Sowohl statisch als auch von der Aufteilung her muss sich Grundlegendes ändern, die Spuren des An-, Um- und Ausbauens erinnern an unsere Kleingartenarchitektur der ersten Nachkriegsjahre. Wenn hier etwas Sinnvolles geschehen soll, dann muss das umfassend passieren. Das war uns ja auch schon länger bekannt, doch bis jetzt hatten wir keine Möglichkeit, dort entsprechend zu projektionieren.
Dann eine Unterbrechung, wir müssen zurück zur Florenceau-Schule. Tatsächlich sind etwa 60% der Patenschaftsschüler anwesend. Für den ersten Ferientag nicht schlecht! Mit nur geringen Ausnahmen konnten alle Fragen beantwortet und der Verbleib der für uns nicht wieder aufgetauchten Namen und Patenkinder geklärt werden. Auch hier: Klären, Fordern, Fotografieren. Und Lollies natürlich! Einige Eltern sind mitgekommen, vor allem der Schülerinnen und Schüler, die kurz vor dem Rauswurf stehen, weil sie zu viel gefehlt oder das Klassenziel nicht erreicht haben. Man sieht ihnen an, wie viel Angst sie vor unserem Urteil haben, auch die Eltern kämpfen um eine weitere Förderung durch uns. Noch beim Fotografieren fällt ihnen das Lächeln schwer. Auch später, wenn es um die Problemkinder aus St.Trinité geht, halten wir uns immer wieder vor Augen, wie die Situation der Kinder ist und vor allem, wie wenig Verständnis unsere Pateneltern haben, wenn wir ein Kind ausschließen, das unseren vielleicht zu hohen Ansprüchen nicht ganz genügt. Die meisten bekommen so doch noch eine weitere Chance. Der Unterschied zwischen Trinité und Florenceau ist wie der zwischen einer Land- und einer Stadtschule bei uns. Obwohl in ähnlichem Umfeld, sind die Florenceau-Schülerinnen und Schüler erheblich „cooler“, abgeklärter, während uns die Trinité-Kinder viel offener entgegentreten.
Dann besichtigen Guivens und ich den gesamten Bau aufs Genaueste. Es war ja geplant, auf eines der rückwärtigen Gebäude ein Geschoß aufzusetzen, um beispielsweise für den Direktor (auf dessen einzigem Geländebesitz diese Schule steht) eine Wohnung zu schaffen. Zur Zeit, und das seit Langem schon, haust er in einem Verschlag hinter den Klassenräumen, genau dort, wo der Geruch der wenig funktionierenden Toilette am ursprünglichsten zu riechen ist. Aber es erscheint wenig sinnvoll, den bestehenden Bau überhaupt zu nutzen: Beton und Armierung zersetzen sich zusehend, die Wände haben durchgängig Risse, der Mörtel ist versandet. Auch die Betonsteine sind ausgewaschen und halten nur noch bedingt. Tragende Betonteile wurden nicht in einem Arbeitsgang gegossen, sondern angestückelt – ein Kardinalfehler, der regelrechte Sollbruchstellen provoziert, einige künden sich jetzt schon an.
Über eines sind wir uns aber bereits jetzt einig: Der Direktor Jean Pierre verdient unsere besondere Zuwendung. Auch seine Bereitschaft, über Klassengrößen zu diskutieren und alles zu tun, was zur Klärung unserer Probleme führen könnte, ist beispielhaft. Der Mann strahlt eine immense Liebe zu seinen Schülern, Lehrern und den Gebäuden aus, er kämpft mit seinen eigenen Mitteln als Privatschule gegen behördliche Windmühlenflügel an. Viele Schüler sind von ihm vom Schulgeld befreit – eigentlich dürften sie gar keine Schule mehr besuchen – bei ihm dürfen sie das. So viel Power macht uns sprachlos.
Wir bekommen auch noch ein sehr typisches und schmackhaftes Mittagessen und müssen containerweise Kokosnüsse austrinken, die uns vom Assistenten (bei uns wohl der Hausmeister) unter Einsatz der Unversehrtheit seiner linken Hand mit einer grobschlächtigen Machete zubereitet werden.
Die Unterkünfte, die wir in San Marc aufsuchen, sind derart teuer, dass die vermeintliche Luxusherberge der letzten Tage deutlich akzeptabler ist. Und so kommen wir doch noch einmal dazu, den Tag mit einem abendlichen Bad im Meer zu beschließen. Morgen geht’s dann über die Schule in Bellanger wieder zurück nach PaP, wo schon unsere Koffer warten…
Andreas Meisig

Sonntag, 17. März 2013

Samstag 16.3.



Stehe um 5 Uhr auf, muss alle Kartons ins Auto laden, Sachen noch für Barbara packen, noch dieses und noch jenes und starte um 6 Uhr 30. Barbara und Andreas stehen schon startklar und Barbara hat auch von einer Missionarin eine Hose geschenkt bekommen, da sie von dem Missgeschick mit den Koffern hörte. Wir holen André ab, der eine Tüte mit Bekleidung für Andreas hat, dann Guinther mit seiner alten Gitarre, quälen uns stadtauswärts, dort warten Benson und Guivens. Wir haben so viele Kartons, dass Andreas schon seit dem Start auf der Ladefläche sitzt auf irgendwelchen Kartons und im Kampf mit seiner Bandscheibe.
Jetzt müssen alle 5 Männer hinten sitzen, zu viel ist im Innenraum. Wir fahren sehr langsam. Besuchen das Massengrab in Titayen. Auch ohne dem Bewusstsein, dass wir bei 250.000 Toten sind, ist diese Gegend so trostlos, einsam, hoffnungslos.
In Cabaret deponieren wir beim Priester, dem Verantwortlichen für die Schule in Bellanger einige Kartons für den Besuch am Dienstag. Kommen schon sehr früh am Strand an, bekommen Zimmer und ich kann noch handeln. Es ist wirklich an dieser Seite der Bucht die schönste Anlage und wir sind ganz happy.
Dann stellen wir fest, dass niemand vom Patenschaftskomité wirklich schwimmen kann. Benson organisiert sich einen kleinen Plastikkanister und eine Schnur und bindet sich diese um den
Bauch, damit der Kanister ihm nicht verloren geht, steckt er ihn in seine Short und geht tatsächlich nicht unter. Guinther ersäuft öfters fast, ist total in seine Gitarre verliebt, spielt und singt ununterbrochen.
Der Strand ist wirklich wunderbar und auch das Essen. Es gibt Buffet. Nicht nur, dass es ja junge Männer sind, die wohl eh viel essen könnten, aber man spürt diese absolute Freude von unseren Studenten, sich mal wirklich den Bauch voll zu schlagen und nicht immer nur ein bisschen zu bekommen und permanent Hunger zu haben. Also, für sie ist ESSEN ein für uns unvorstellbarer Genuss und wir zelebrieren mit ihnen zusammen das Buffet rauf und runter. Am Abend haben wir noch einen wunderbaren Sonnenuntergang. Wir sitzen am Meer, hören die Wellen rauschen, ein traumhafter Sternenhimmel, im Hintergrund Lifemusik - mein Gott, kann Haiti wunderbar sein. Wir wissen alle, dass dies nicht das normale Haiti ist, genießen es aber mit einer solchen Freude, einfach unvorstellbar. Morgen Sonntag, wollen wir am Vormittag arbeiten, die Patenschaften in San Marc besprechen und mit Guivens die verschiedenen Toilettenmöglichkeiten im Internet recherchieren.
Ich weiß, dies werden unsere einzigen zwei Luxustage der Reise sein und man dürfte ja gar nicht so schwärmen aber es ist in erster Linie ein Geschenk an die jungen Leute unseres Patenschaftskomités, die sich das ganze Jahr über wirklich stark engagieren, alle neben ihren Studien und Berufsausbildungen her.
Euch einen schönen Sonntag.
Tschau
Roswitha Weiss

Samstag, 16. März 2013

Freitag


 

im Hintergrund der neue Raum
Christopher links mit selbst gehäkeltem Kissenbezug



Nachdem wegen Meisigs verspäteter Ankunft wieder alle Pläne durcheinander geraten sind, habe ich mich entschieden schon am Freitag die Seeds-Schule zu besuchen. Der Besucher meiner Gastgeber und ich machten uns schon vor 7 Uhr auf den Weg. Unterwegs konnte ich in einer Bäckerei noch 80 Paté  für die Kinder kaufen, und wir waren pünktlich um 8 Uhr in der Seeds-Schule.
Wie Ihr vielleicht erkennen könnt, hat Lelen oben den Eingang vergrößert, die freie Fläche, wo sich die Kinder die Hände waschen, hat sie in Leichtbauweise in ein weiteres Klassenzimmer, sowie die Bibliothek, als extra Raum umgebaut. Hier sind nun die Großen untergebracht. In dieser Klasse wird auch gehäkelt und ich konnte zu den 2 Kartons Geschenken aus dem Container, noch Wolle und Häkelnadeln von HKH als Geschenk bringen. Natürlich auch die Paté und die obligatorischen Lutscher. Lelen hatte nach Weihnachten all Ihre Freunde in die Schule eingeladen und die Kinder durften Gebasteltes verkaufen. Hier kam dann natürlich die Frage der Freunde: „Wie  können wir helfen?“  So haben dann die Freunde den Bau des neuen Klassenzimmers finanziert, die Regale für die Bibliothek, viele, viele Bücher, ein Freund der eine große Schreinerei hat, fertigte wunderbare Schulbänke für die komplette Schule, Flöten für viele Kinder, nochmals 2 Toilettenhäuschen usw......
Wie immer fasziniert mich die schöne Atmosphäre  in der Schule, die Freude der Kinder und ich muss ehrlich sagen, bei manchen habe ich das Gefühl, dass ich sie schon gut sehr kenne und ich sie wirklich gerne mag. Viele kennen Christopher, den Jungen mit der Hasenscharte. Mich schrieb damals sTart International an, dass sie in Petionville einen Straßenjungen haben, keine Familie, einfach alleine auf der Straße. Ich schickte  ihn zu Lelen und dieser Junge ist Christopher, was ich erst heute erfuhr. Christopher lebt immer noch ganz alleine in einem Zelt, Route Frere und bringt sich alleine durch. Wie?- Keine Ahnung, aber er verhungert nicht und hat immer saubere Sachen an. Von einem Bekannten von Lelen bekam er ein altes Fahrrad und braucht somit kein Geld für Tap Tap. Ein wirklich toller Junge, der handwerklich großes Geschick hat und sich so sehr freut, dass er hier in die Schule darf. Das sind so die haitianischen Geschichten......
Lelen fuhr um 9 Uhr zum Kinderbehandlungsprojekt, ich auf die Suche nach dem Buch von Mama Mita. Nachdem das auch schnell ging und ich ja einige Mails mit Anhang hatte, fuhr ich wieder zu Fam. von Bötticher um diese mails und Anhänge auszudrucken. Tja, Fluch der Technik, der gekaufte Drucker wurde nicht von meinem neuen kleinen niedlichen Laptop erkannt, ich versuchte es immer wieder, fing hektisch an, im Internet nach einem Treiber zu suchen. Internet bricht aber immer wieder zusammen....Nach 2 Stunden, kam mir nun die Idee, die ganzen Attachments an Böttichers zu mailen und mit deren Drucker auszudrucken.
Das Mail ging durch und Michelle bot mir an nun zu drucken und ging. Leider drückte ich auf irgendeinem Knopf und auf Ihren Computer war wieder alles weg. Nun schon total genervt, sandte ich alles an Rob Padberg, da ich ja mit der Buchhalterin einen Termin hatte. Startete zum 2. Mal genervt vom Berg in die Stadt....1 1/2 Fahrtzeit/Stehzeit für ca. 12 km zu BND, normalerweise kann ich da von Rockenhausen fast bis Stuttgart fahren. Mein Mail war nicht angekommen, ich hatte aber meinen Computer dabei, ein Angestellter einen kleinen 'Jumper' und so bekam ich doch noch meine Anlagen ausgedruckt. Solche erledigten Sachen machen hier bereits einen erfolgreichen Tag aus……. Und am Abend sind dann Andreas und Barbara zwei Tage verspätet  in winterlicher Kleidung und ohne Gepäck gelandet.......
Am Samstagmorgen geht es schon sehr früh los Richtung San Marc und dann weiter aufs Plateau Central.
Tschau

Roswitha Weiss


neue Bibliothek
jedes Kind lernt hier Flöte spielen


Freitag, 15. März 2013

Meisigs Reise mit Hindernissen


Im Flugzeug nach Point-à-Pitre, 14.03. – ein Tag später als geplant endlich unterwegs nach Haiti, schickte uns Andreas die folgenden Zeilen:
Ich hatte eigentlich vor, an dieser Stelle und von unserer Homepage aus nur über unsere Arbeit an den Projekten zu berichten, also nur aus Haiti – wenn wir nur schon dort wären! Wer also keine Lust hat, von unseren Reiseproblemen zu erfahren, der sollte in Kürze nochmals diese Seite aufrufen, denn unsere Hoffnung, doch irgendwann einmal, gleichgültig, in welchem Zustand, Haiti zu erreichen und unsere Arbeit zu tun, die geben wir so schnell nun auch nicht auf.
Mittlerweile liegt aber Port-au-Prince und damit das Ziel unserer Reise noch weit entfernt, obwohl wird doch heute schon die ersten Meetings in der Seeds-Schule gehabt hätten.Geplant war unsere Reise am Mittwoch, 13.03 von 07:00 Hannover bis 17:30 Port-au-Prince (jeweils Ortszeit), über Paris und Point-à-Pitre. Aber in der Nacht vorher kam die Nachricht, dass der Paris-Flug wegen chaotischer Schneestürme in Paris storniert sei. Glücklicherweise konnten wir auf das gleiche Arrangement einen Tag später umbuchen – und Roswitha in Haiti alle Treffen umlegen. Nun war das Wetter am 14. auch noch nicht so toll, so dass die Maschine in Hannover wegen des Abtauens der Tragflächen erst sehr viel später abhob. Da deutete sich bereits eine kleine Katastrophe an: um den Anschlussflug in Paris Orly zu bekommen, mussten wir ja noch den Bustransfer einrechnen, was nun mit einer Verspätung von mehr als einer Stunde kaum noch realistisch war. Wir hofften auf eine rasche Ausgabe des Gepäcks und viele glückliche Umstände auf dem Weg zum Bus und nach Orly. Nun kam das Gepäck aber nicht nur spät, sondern vielmehr gar nicht – lediglich die Gitarre für Guinther konnten wir an uns nehmen. Beide Koffer nicht auffindbar, das allerdings sagte man uns erst, als wir bereits eine Stunde ohne Information am Band gestanden hatten. Dann die Formalitäten, wieder eine Stunde, das Einchecken in Orly (eineinhalb Busstunden entfernt) begann bereits. Der Mitarbeiter von Airfrance stellte uns eine neue Verbindung zusammen: Abflug Paris-Orly 15:00, Ankunft in Pointe-à-Pitre aber erst nach dem Abflug der tageseinzigen Verbindung nach Haiti. Also musste er noch ein Hotel in Guadeloupe für uns buchen. Und Zahnbürsten, Zahnpasta, Seifen, Abschminkcreme (?) und einen Einmalrasierer (??) haben wir auch dazu bekommen. Die Freude war groß.
Orly haben wir dann tatsächlich rechtzeitig erreicht, um dort vom Computer, der die Boardingkarten ausdruckt, rüde mit „inconnue“ abgewiesen zu werden. Den Airfrance-Schalter suchen: wir waren gar nicht umgebucht und von einem Hotel in Guadeloupe wusste auch niemand. 45 Minuten waren nötig, um alles zu regeln, was für uns einen erneuten Spurt durch den Flughafen bedeutete, um vor Schließen der Boardingschalter zurück in der Abflughalle zu sein. Nun kann man eigentlich auch von Glück reden – wir hatten ja außer dem Kabinengepäck nur noch die Gitarre zu schleppen! So und bis jetzt ist – ab Paris wenigstens – alles perfekt gelaufen. Mal schauen, was uns weiterhin erwartet…
21:30 Ortszeit Guadeloupe:
Jetzt hat wenigstens alles geklappt! Öffentlich im Flugzeug aufgerufen, mit einem Taxi in die Umgebung von Pointe-á-Pitre gefahren, eine absolute Luxussuite im Creole Beach Hotel, wundervolles Essen, 27 Grad… traumhafter Abend und die Dusche noch vor uns! Und alles auf Kosten von AirFrance………
Das Gepäck ist in Paris angekommen, soll morgen weiterfliegen. Es könnte gegebenenfalls mit uns in PaP ankommen…
Bis zum nächsten Lebenszeichen, hoffentlich dann in der Planung
Barbara und Andreas

Dienstag/ Mittwoch


Ja, war gestern Abend sehr enttäuscht, dass Andreas und Barbara nicht fliegen konnten, weil alle Flüge nach Paris annulliert wurden und dachte schon, es würde gar nicht mehr klappen und ich müsste hier alleine bleiben. Machte heute Morgen die Prüfung der Kontoauszüge, versuchte zu telefonieren, was ja einfach grausig ist…..  Mittags Start nach ‚unten‘ – denn ich muss Geld organisieren. Also, einen Tag auf der Bank zu verbringen, weigere ich mich und dann noch Angst zu haben, dass man vor der Tür überfallen wird. Rob Padberg wird seinen Chauffeur senden und ich hoffe schon morgen und den Rest halt nächste Woche zu bekommen. Denn hier ist nur Bares Wahres.
Treffen bei Henfrasa um auch dort noch X Kartons vom Container, Patenschaftsgeschenke, Solarlampen……ab zu holen, muss ja noch umgepackt werden, denn wenn Meisigs am Donnerstag ankommen keine Zeit dafür bleibt, weil wir direkt um 6 Uhr am Freitag starten müssen.
Guinther und Benson sind da. Tja, wenn ich dann die beiden sehe, weiß ich warum wir uns engagieren, sind einfach liebe.
Wir schleppen alles aus dem Computer Büro runter, Rücksitze, Beifahrersitz, alles bis unter die Decke voll, auch die Ladefläche (mein Gott….)
Guinther muss auf der Ladefläche mitfahren, damit mir nicht unterwegs die Hälfte geklaut wird. Wobei die Kartons sehr schwer sind, noch Schulhefte, Stifte ….
Er fuhr bis zu Fam. von Bötticher mit, half ausladen, ich fuhr ihn dann wieder zur Delmas.
Guinther überredet mich, dass wir doch zuerst nach San Marc fahren (Freitag), da er dann mitfahren kann, schließlich ist er der Verantwortliche, nur ab Montag hat er Semesterprüfungen und kann in der Woche nicht.  Ich überlege hin und her. Einerseits will ich, dass Barbara ihn gut kennenlernt, da es ihr Ansprechpartner sein wird.
Aber auch die Mengen die wir transportieren wollen und ja nie auf dem Auto lassen können, sondern immer mit ins Hotel schleppen, bzw. wir die Sandstrassen von San Marc nach Hinche fahren, geht man ja schon ein Mords Risiko ein, auch ausgeplündert zu werden. Ich denke es ist wirklich besser, wir machen am Freitag San Marc, geben dort schon mal einen Teil ab.
Tja, der Straßenverkehr ist einfach zum Weinen. Wir waren in einem Stau an der Delmas, wo es wirklich nur im „cm“-Abstand ging. Also, dass da noch einer mit dem Tap Tap fährt, wo gehen viel schneller ist. Eine Ursache war, dass genau auf einer Kreuzung, Querverbindung zur Lalü ein riesiger Wassertank eine Panne hatte und einfach in der Mitte stand. X Frauen mit Eimern drum rum, da im Schlauch, das Wasser abgelassen wurde, grausam – man konnte sich dann endlich ganz knapp rechts vorbeischlängeln, war aber am Straßenrand so ein großes Loch, dass wirklich nur jeder mit Angst die Ecke nahm. Noch weiter oben an der Delmas, wieder Stau im Stillstand. Ein LKW und ein großer Geländewagen haben sich ‚vereinigt‘. Die Delmas ist ja in der Mitte mit den Betonstreifen abgeteilt. Gott sei Dank hatte einer den Mut und sah, dass da eine kaputte Stelle ist und fuhr einfach auf die Gegenfahrbahn. Sicherlich sehr zum Schock der entgegenkommenden Autos. Auch ich habe mich getraut…..
Bildete mir dann am Nachhauseweg, nachdem Guinther an der Delmas mit dem TapTap nach unten fuhr, noch ein Brot ein. Es gibt in Petionville einen Supermarkt, der hat abends immer noch so kleine Baguettes frisch, nicht wie das Toastbrot, oder das schon gummiartige Stangenbrot. Also, man muss vor den Supermärkten auf der Straße in Linie warten, bis hinter den geschützten Mauern ein Parkplatz frei wird und wird dann von der schwerbewaffneten Security mit ihren Gewehren in der Hand, in die freie Lücke eingewiesen. Also, ich stand da so in der Schlange und ich dachte mir, ist doch absolut dekadent, da zu warten, dass Du Dir dann irgendwann ein Stück Brot kaufen kannst. Dieses ganze so Gegensätzliche, die Bettler, die Armen, der unbezahlbare Überfluss, die Restaurants, Bars…....und dann die Slums – alles laut und hektisch–, einfach bizzarr.
Übrigens war Rob Padberg letzte Woche mit Bill Clinton im Plateau Central auch in unserer Schule in Billiguy. Ich werde ihn um Fotos für den blog bitten. Tschau Roswitha Weiss